22.2.11

Menschlichkeit

"Welcome to America, how long have you been here?" Immer wieder begegnet mir diese freundliche Begrüßung, gemischt mit Interesse an meiner Person, wenn ich neue Leute kennen lerne. Ich erzähle, wann wir kamen, warum wir kamen und wo ich zur Schule gehe. Alle wollen wissen, ob es mir gefällt und schauen mich dabei hoffnungsvoll an. Sie freuen sich, wenn sie erfahren, daß ich Land und Leute mag und sie sagen, daß ich gut Englisch sprechen kann. Viele wünschen sich, eine zweite Sprache sprechen zu können und haben auch mal damit in der Schule angefangen. Und immer wieder treffen wir Leute, die mal in Deutschland und in der Regel in Süddeutschland stationiert gewesen waren oder die deutsche Eltern oder Großeltern haben. Da war der Angestellte bei Lowes, er war uns behilflich bei der Suche nach einer speziellen Schraubverbindung und bot uns an, diese nachzubauen, da sie hier nicht erhältlich ist. Er erzählte uns, daß er zu Hause eine Werkstatt hat, daß sein Vater VW Beetles sammelt und schon 30 Stück davon besitzt. Zunächst habe ich innerlich gelächelt, wieso er für Modellautos eine Werkstatt braucht, aber Modellfans wissen, dass die dazu gehört. Dann aber erzählte er, daß die Autos richtige, fahrbereite Wagen sind, die alle immer gewartet werden von ihm und seinem Vater. Wow!

Bisher waren alle Menschen hier sehr freundlich und hilfsbereit. Die Nachbarn veranstalten Neighborhood Block Parties, alle bringen ein Gericht zum teilen mit und Getränke. Dabei habe ich leckere Gerichte gegessen, die nichts mit Burgern und Pommes zu tun haben. Manche haben Rezepte, die sie verebt bekamen. Rezepte werden gern ausgetauscht und auch ausführlich besprochen. Manchmal wurden uns stolz Bratwürste angeboten, da wir ja dafür bekannt sind, immer Bratwürste zu essen. Leider mag ich diese überhaupt nicht und muß sie auch zu Hause nie essen. Für unser Schulsystem interessieren sich auch viele, hierbei ist besonders verwunderlich, daß die Schüler einen Klassenraum haben und nicht die Lehrer. Immer wieder werden wir gefragt, ob es wirklich stimmt, daß das Studium in Deutschland nichts kostet. Hier im Süden strahlen viele Menschen eine starke Ruhe aus, sie regen sich selten auf und bleiben immer freundlich. Schnell kommt ein Gespräch zustande, wenn man im Geschäft zusammen vor einem Regal steht oder zusammen Billard spielt. Hier wird gern und viel kommuniziert. Man bekommt schnell das Gefühl, dazu zu gehören. Auch bei Reklamationen sind alle sehr freundlich und hilfsbereit, Service wird groß geschrieben und besonders in Restaurants sind die Kellner sehr unglücklich, wenn sie den Eindruck haben, dass das Essen nicht geschmeckt haben könnte.

21.2.11

Heimische Tierwelt und Lebensraumschwund

Wir wohnen in einer Straße mit unbebauten Grundstücken. Kurze Zeit nach unserer Ankunft rückten die Bagger an und fällten auf dem Nachbargrundstück 100 Jahre alte und ältere Bäume. In diesem Waldstück wohnten neben Eichhörnchen, Chipmonks, Schlangen und Waschbären auch viele, teilweise mir unbekannte, Vogelarten. Wir hängten auf unserem Balkon vor dem Esszimmer Futterplätze auf. Zunächst für die Kolibris, die für uns Europäer einen faszinierenden Anblick bieten. Die schillernde Farbenpracht im Sonnenlicht, die Geschwindigkeit und die Flugkünste, die diese kleinen Sauriernachfahren zeigen, lassen mich immer wieder bewundernd staunen. Mit der Zeit kamen immer mehr Kolibris, sie ernähren sich von Nektar, kleinen Insekten und Spinnen. Diese Nahrungsquellen schrumpfen mit jedem Hausbau. Eines Tages konnte ich einen Kampf zwischen mehreren Kolibris beobachten und auch teilweise filmen. Die Gegner stießen sich vom Trinkkelch weg, in dem sie von unten auf den Trinkenden zu rasten und ihn mit ihrem spitzen, langen Schnabel in den Bauch rammten. Dann jagten sie sich gegenseitig und versuchten immer wieder, sich gegenseitig zu hacken. Diese Vögel müssen sich Fett im Oktober anfuttern, um den langen Flug in die Überwinterungsgebiete in Zentralamerika bewältigen zu können. Als die Kolibris und anderen Zugvögel im November das Land verlaßen hatten, suchten die Standvögel verstärkt die Futterplätze auf. Wunderschön leuchtend rot-orange präsentiert der Kardinal sich bis heute auf unserem Geländer, seine Brut ist inzwischen ausgewachsen, wir erwarten die nächste Generation. Prächtig blau leuchtend besucht auch der Blue Jay regelmäßig die Sonnenblumenkerne und inzwischen haben wir auch für die Spechte Futter ausgehängt, das diese gern angenommen haben. Viele andere Vögel gesellen sich regelmäßig zu uns, wenn wir am Esstisch sitzen, z. B. die rosa und die gelb-grünen Finken, der Nuthatch, der unserem Kleiber ähnelt und viele andere. In der letzten Woche haben wir Eastern Bluebirds auf den Wurzeln der gefällten Bäume nach Maden suchen gesehen, diese Spezies ist erst seit 30 Jahren wieder hier heimisch.
Der "Dschungel" um uns herum lichtet sich allmählich, wie wird es in ein paar Jahren aussehen?

17.2.11

Freundlichkeiten

Seit dem ich hier in Amerika bin, hat sich so einiges verändert in meinem Leben. Viele Dinge zum Guten und einige wenige auch zum Schlechten. In dem vergangenem Jahr habe ich eine Veränderung meiner Spache, meiner sozialen Umgebung, meiner persönlichen Einstellung zu vielen Dingen, aber auch Sachen wie zum Beispiel meiner Frisur und meinem Kleidungsstil mitbekommen. Das alles erfolgt nicht nur daraus, dass alles neu und unbekannt ist hier in Amerika, sondern auch dadurch dass die Menschen eine kommplett andere Lebenseinstellung haben. Ich werde von Leuten, die ich noch nie gesehen habe, auf der Straße angesprochen, weil sie meine Hose hübsch finden. Aber die ganze Freundlichkeit hier ist nur gespielt und in Wirklichkeit interressiert sich keiner für dich. Aber alle sind stolz auf was und wer sie sind. Es ist einfach nur eine vollkommen andere Lebensweise. Das ist so ziemlich alles was ich über Freundlichkeiten sagen wollte.

Nach ein paar Wochen ! :)

Jetzt bin ich schon länger hier und ich kann sagen, dass es einfach nur spitze ist!
Heute bin ich krank und habe Schnupfen - hoffentlich legt sich das bis zum Wochenende, weil wir da fett Party machen wollen. Meine Freundin feiert ihren 15ten Geburtstag. Das ist so toll.
Es ist total schwer die Hausuafgaben zu machen, weil man sie nicht vertsteht. Das Essen in der Schule ist gewöhnungsbedürftig. Es ist jeden Tag nur Fast Food. :D
Die Leute hier sind hilfsbereit und total freundlich. Die Lehrer sind besser als in Deutschland. Die sind hier wie ein Kumpel, ich sag's. Ach, es gibt hier keine Tafeln. Hier wird auch nicht mit Kreide geschrieben, nein hier wird alles am Projektor gemacht. Total abgefahren!
Mein Locker hat einen Sticker abbekommen, wo draufsteht "Deutsch ", damit jeder weiß, dass ich deutsch bin. Versteht aber sowieso keiner! Bald habe ich Geburtstag ich werde 15. Dann kann ich auch meinen Führerschein machen, aber darf nur mit Begleitung fahren bis ich 16 bin. In English lesen wir ein Buch es heißt "Night" ich verstehe zwar kein Wort aber ich bemühe mich mitzukommen! Heute in Englisch mussten wir einen Song aussuchen für das Buch. Ich habe "Alles kann besser werden " von Xavier Naidoo gewählt, weil es versteht keiner also kann ich schonmal nichts falsch machen! ;) Heute treffe ich mich mit einem Kumpel. Das ist so witzig immer hier,"hang out" das klingt schonmal richtig geil. Ich habe auch endlich mein Handy bekommen - ich bin so froh. Ich habe dann auch erstmal alle zugetextet haha ! Gestern habe ich mit Deutschen Mädel's die auch hier sind ein 3er Gespräch gerstartet. Hier kannst du Texten und Telefonieren gleichzeitig fand ich voll hammer !
Am Wochenende war ich mit meiner Freundin in dem Hamilton Place - haben uns erstmal verlaufen und mussten dann außen um die halbe Mall gehen - gefühlte 5 Stunden! :)
Ich bin nach der Schule so platt, ausgepowert und schrott ! Das ist so hard so früh aufstehen und so spät ins Bett ist nicht gesund!

Naja,dass war's erstmal ! :)

16.2.11

IB Diploma Programm

Seit letztem Jahr ist unsere Schule eine anerkannte IB Schule, was bedeutet das sie im Bewerbungsverfahren für das Diploma Programm noch drinnen ist, das Middle Year Programme aber schon hat. Wenn man die Schule nach dem zwei jährigen Diploma Programm beendet kann man das Programm ungefähr mit einem Deutschen Abitur oder einem Internationalen Abschluss vergleichen.
Um in das IB Diploma Programm einsteigen zu können muss man während der 10. Klasse ein sogenanntes "Personal Project" vervollständigen. Diese Projekt erfodert sich - über einen längeren Zeitraum - mit einem selbstgewähltem Thema zu beschäftigen und am Ende ein Papier und einen 5 minütigen Vortrag über das Projekt vorzustellen. Nachdem man das Projekt erfolgreich bestanden hat, kann man ab der 11. Klasse an dem IB Diploma Programm teilnehmen.
Wenn man sich dem IB Diploma jedoch nicht gewachsen fühlt, gibt es zwei weitere Optionen die 11. und 12. Klasse zu machen. Man kann für die 11. Klasse sich zwischen drei Wegen entscheiden: IB Diploma Programm, erweitertes College Programm oder Standard College Programm.

Wenn man sich für das IB Diploma Programm entscheidet muss man in der 11. Klasse drei Klassen auf erhöhtem Niveau belegen und 3 Klassen auf standard Niveau. Es ist vorgegeben Englisch und Amerikanische Geschichte auf erhöhtem Niveau zu belegen, so bleibt einem noch ein Fach das auf hohem Niveau zu belegen ist.
Welche Kurse ansonsten auf standard Niveau belegt werden müssen sind: eine zweite Fremdsprache ( Spanisch,Franzoesisch), eine Naturwissenschaft (Biologie,Chemie,Physik), Mathe, Kunst oder Computer Technologie und Musik oder Study Hall. Von diesen Kursen muss ein weiterer auf erhoehtem Niveau besucht werden.

Die Schüler, die die zweite Option gewählt haben, welches das erweiterte College Programm ist, werden mit diesem Programm kein Diploma oder Internationalen Abschluss bekommen. Bei diesem Programm sind alle Kurse auf erhöhtem (College) Niveau unterrichtet. Man kann jedoch einzelne Kurse, die einem besonders liegen auf dem IB Diploma Niveau belegen.

Meiner Meinung nach ist es einen gute Idee das IB Diploma Programm hier an der Schule eingeführt zu haben. Jedoch sind noch nicht alle Amerikaner von diesem Programm vollkommen überzeugt. Als Deutscher Schüler in Amerika sollte man jedoch an dem IB Programm teilnehmen, da es dem deutschen Abitur sehr ähnlich ist und einem somit der Unibesuch sichert.

Study Hall

Dieses Fach ist im Grunde genommen dazu da, um seine Hausaufgaben zu absolvieren. Es wird jedoch auch zum Lernen verwendet. Häufig jedoch schlafen Schüler im Unterricht. Musik hören, Bücher lesen oder Spiele spielen sind andere Favoriten der Schüler in meiner Study Hall Klasse. Aus diesem Grund habe ich mich dem Computer zugewendet und absolviere nun meine Deutsch Hausaufgabe. Nach dem Mittagessen werde ich mich mit Mathe beschäftigen, in Mathe habe ich noch Hausaufgaben zu beenden. Study Hall ist eine gute Methode um Noten aufzustocken, indem man sich restlichen Aufgaben zuwendet die einem weiterhelfen könnten in einem Test oder einer Arbeit gute Noten zu erringen. Wenn ein Schüler die Hausaufgabe vergessen hat, wird er die Chance haben sie in Study Hall nachzuholen und in der Lage sein dem Lehrer die Hausaufgabe zu übergeben. Der Raum in dem Study Hall stattfindet, verfügt ebenso über Computer. Manche der Schüler in meiner Klasse nutzen die Zeit um in die Bücherrei oder in den Raum für Schwerbehinderte zu gehen. So verbringen manche Schüler damit Zeit Sozialstunden, die wichtig für die Schule sind, zu erfüllen. Die Lehrerin verbringt ihre Zeit in dieser Klasse damit Schülern mitzuteilen, dass sie sich Aufgaben zuwenden oder leise sein sollen. Trotzdem wendet sie sich häufig ihrem Handy zu und schreibt Nachrichten.

15.2.11

Fussball

Schulsport wird an amerikanischen Highschools groß geschrieben, da es, wie in Deutschland bekannt, weniger oder gar keine "Sportvereine" gibt. Ich werde spezifisch auf Fussball eingehen, weil es meine favorisierte Sportart ist. Die Fussballsaison ist seit wenigen Tagen im Gange und es finden die sogenannten Tryouts statt. Dort werden eine Woche lang vom Trainer/in die individuellen Fähigkeiten des Spielers getestet und am Ende der Woche wird bekannt gegeben, wer zum Team gehört und wer sich wohl eine andere Sportart suchen muss um seine Schule zu vertreten. Training ist 4 mal die Woche für 1.5 Stunden direkt nach der Schule. Da unsere Highschool ihre eigene Sportanlage besitzt (diverese Fussball/Footballfelder + Baseballfeld etc.) ist es fuer jedermann einfach dorthin zu gelangen. Spiele gegen andere Schule finden ebenfalls unter der Woche statt. Das Training unterscheidet sich kaum - mein persönliches Empfinden ist, dass es hier in Amerika ein bisschen weniger intensiv ist und alles ein bisschen lockerer ist. In Deutschland hatte ich 2 mal unter der Woche Training und am Wochenende ein Spiel, wobei das Training gegen Abend stattfand und es ab und zu Probleme gab zum Sportplatz zu gelangen.

Meines Erachtens ist es schwierig einen Ablauf zu befürworten, da ich es einerseits sehr gut finde direkt nach der Schule training zu haben und auch unter der Woche zu spielen, da man somit mehr Zeit für andere Dinge gegen Abend sowie am Wochenende hat.
Andererseits sind einige Spieler in der Mannschaft nicht auf dem Niveau wie man es aus Deutschland im Verein gewöhnt ist, da Fussball hier eine Randsportart ist.

14.2.11

Hausaufgaben im Internet...

Was mir neulich mal wieder aufgefallen ist, ist, dass das Internet bei den Hausaufgaben, eigentlich überhaupt in der Schule, hier eine viel größere Rolle spielt. Viele der Lehrer haben ihre eigenen Internetseiten auf denen sie die Hausaufgaben täglich posten, damit wir auch ja nichts vergessen. Auf diesen Seiten findet man dann oft Arbeitsblätter oder Informationen zum Lernstoff. Meine Englischlehrerin benutzt zudem gerne ihre "wiki": eine Seite, auf der die Schüler wie in einem Forum diskutieren können. Die Lehrerin postet eine Frage oder Aufgabe und wir beantworten sie als Gruppe.
Auch viele Schulbücher sind hier online: Man kann sie durch eigene Accounts zu Hause lesen und muss daher nicht die schweren Bücher mitschleppen, was sehr angenehm ist, wenn man bedenkt, dass die amerikanischen Bücher drei mal so dick und schwer sind wie die deutschen!
Was mich auch erstaunt hat, war das letzte Zeugnis: Es war nicht auf Papier gedruckt, sondern im Internet zu finden! Die Schule benutzt nämlich ein Programm namens "Powerschool". Auf dieser Seite, auf die Eltern und Schüler durch persönliche Passwörter zugreifen können, stehen unsere Noten. Die Lehrer aktualisieren unsere Zensuren wöchentlich, so dass wir immer einen Überblick behalten können.
Ich finde diese Mediennutzung eigentlich gut. Man kann immer alles nach gucken wenn man sich nicht sicher ist und sofort den Lehrern bescheid sagen, wenn eine Zensur fehlt. Was ich aber nicht so mag, ist, dass alle Lehrer andere Server haben. Man muss immer auf andere Webseiten gehen und das ist ehr umständlich. Noch ein Minuspunkt ist, dass Eltern auf alle diese Seiten Zugriff haben. Sie könnten, wenn sie wollten, alle Hausaufgaben und Noten des Kindes genauestens überwachen.
Insgesamt unterstütze ich jedoch dieses System, weil es den Ranzen leichter macht und den Überblick klarer. Vielleicht ist das ja auch bald in Deutschland zu finden!