23.4.11

Schiri wir wissen wo dein Auto steht...

Dieser Fanspruch oder so ähnliche Dinge sind mir am Donnerstag Abend während und nach dem letzten Fußballspiel unserer Schulmannschaft durch den Kopf gegangen. Um hier mal Dieter Hecking zu zitieren: "Was der Mann in Schwarz geleistet hat, war genauso katastrophal wie unsere Leistung." Dieser Spruch trifft für unsere Spielleistung allerdings nur auf die erste Halbzeit zu. Aber die Leistung des Unparteiischen war das ganze Spiel über weniger als durchschnittlich. Und ja auch wenn eine Niederlage immer schwer zu verdauen ist, diese ist umso ärgerlicher aufgrund der grottenschlechten Schiedsrichterleistung. Um nur mal ein paar der Fehlentscheidungen zu nennen: erste Halbzeit abgefiffen obwohl wir zur Ecke bereit standen, mehrfach Einwurf für unsere Gegner gegeben obwohl der Ball deutlich von unseren Gegenspielern als letztes berührt wurde, Abseits anzeigen und das dann erfolgte Tor doch geben, Freistoß auf Zuruf des Trainers der Gastmannschaft pfeifen... usw. Ich bin der Ansicht, dass selbst bei einem Kreisligaspiel in Deutschland, das Niveau und Vermögen der Schiedsrichter höher und besser ist als dass was wir am letzten Donnerstag erleben mussten. Unsere Jungs haben sich die Seele aus dem Leib gespielt und wurden dafür mit einer nach der anderen Fehlentscheidung bestraft. Es ist mir völlig bewusst, dass man in einem Land in dem Fußball nicht die Sportart Nummer 1 ist, nicht die gleichen Standards erwarten kann wie im Fußball-verrückten Europa, aber zumindest die Spielfreude sollte nicht darunter leiden.

Und wieder zeigt sich, dass man bei jedem Fußballspiel eine gelbe Armbinde mit drei schwarzen Punkten in der Hosentasche - als Auszeichnung für besonders schlechte Schiedsrichterleistungen - haben sollte. >:(

11.4.11

Springbreak in Amerika, TN

Hier in den Staaten Amerika's wird den Schülern im März eine Woche freigestellt. Diese nutzen viele aus, um an den Strand zu gehen, Fischen zu gehen oder um sich Großstädte anzusehen. Ich nutzte die freie Zeit aus, um mit meinen Eltern eine Fahrt zu den Bahamas zu unternehmen. Die Bahamas an sich waren aus meiner Sicht nicht das beste Urlaubsziel jedoch war es schön sich die Inseln für 2 bis 3 Tage anzusehen. Doch die Bootsfahrt die uns zum Ziel gelangen lies war einzige Spitze, die so genannte Cruise-Tour ist eine absolute Empfehlung für Jedermann. Dort wurde Livemusik geboten, Frische Getränke ausgeliefert, Essen rund um die Uhr angeboten und weitere Aktivitäten wie zum Beispiel Tischtennisplatten oder auch eine Minigolfanlage standen zur Verfügung. Klassenkameraden haben die Ferien aber auch in Italien, Los Angeles, Las Vegas, Florida Beach oder hier in Tennessee verbracht. Nach dem die Bootstour ihr Ende nahm, wollte ich nicht mehr zurück in das landschaftliche Tennessee. Die restlichen 3 bis 4 Tage wurden in Tennessee durch Trainieren und mit Unternehmungen mit Freunden erweitert. Ich bekam auch meine erste amerikanische Bowlingbahn zu sehen, wobei dort sich kein riesiger Unterschied erkennen lies, bis auf dass dort nach zehn Uhr keine Partyveranstalltung wie zum Beispiel in der Bowlinghalle Braunschweig organisiert wird. Ich würde diese Springbreak auch als Zeugnisferien bezeichnen. Ein Problem gibt es dabei, dass es keine Zeugnisse in der Springbreak gibt. Das Wetter war in den ersten Wochen, die ich auf den Bahamas und dem Schiff verbracht hatte, ordentlich warm. Sobald ich nach Tennessee zurück kam, sah ich schon wieder die ersten Regentropfen. Im Gesamtbild hat mir die Springbreak sehr gut getan.

28.3.11

Ferienkalender mal anders

Im amerikanischen Schulsystem sind Ferien ein eigenes Thema für sich. Generell kann man davon ausgehen, dass Schüler hier zwischen August und Mai genau 4 Wochen Ferien haben. Das sind 1 Woche für Herbstferien, 2 Wochen über Weihnachten und Neujahr und eine Woche Frühjahrsferien (auch Springbreak genannt). Zu diesen Ferien kommen dann noch einige nationale Feiertage. Insgesamt muss ein Schuljahr in Hamilton County, TN 180 Schultage haben. Jedes Schuljahr beginnt in der zweiten Augustwoche und endet in der letzten Maiwoche. Die Frühjahrsferien liegen gewöhnlich zwischen dem dritten und vierten Quartal irgendwann im März. Aber das unterscheidet sich von Landkreis zu Landkreis oder Bundesstaat zu Bundesstaat. Und aus irgendeinem Grund haben die Frühjahrsferien für viele Schüler eine weitaus größere Bedeutung als die Herbst- oder Weihnachtsferien. Viele Schüler verreisen während dieser einen Woche in wärmere Gegenden des Landes. Andere wiederum unternehmen Tagesausflüge oder besuchen Verwandte und Bekannte. Oder wenn man kein Schüler mehr ist, widmet man sich den Dingen, die über den Winter angefallen sind und noch erledigt werden müssen - für viele Familien bedeutet das FRÜHJAHRSPUTZ. Die Verteilung der Ferien im deutschen Schulsystem ist meiner Ansicht nach ein wenig besser, da der Abstand zwischen den Ferien kürzer und gleichmäßiger verteilt ist. Somit hat man kurz vor den Ferien auch nicht unbedingt den Eindruck, dass sich alle völlig erschöpft und ausgebrannt zur Schule schleppen nur um noch bis zu den Ferien durchzuhalten.

Aber vielmehr würde mich interessieren, was denn der Rest der Schreiberlinge in ihrem ersten Springbreak gemacht haben????

23.3.11

College!!!

Man würde denken, dass das Studium in jedem Land gleich wäre und dass Uni gleich Uni ist. Ist es aber nicht. Die amerikanischen Colleges, so wie ihr System, sind im Vergleich zu den deutschen Universitäten sehr anders.
Hier ist College etwas worauf man sich in der Highschool freut, darauf hinarbeitet und der Entscheidung auf welches College zu gehen viel Zeit und Bedenken schenkt. Man bereist oft das Land in der Suche nach dem passendsten College. Zu der Entscheidung gehören Faktoren wie das akademisches Programm, Sportprogramme, Wohnumstände und die richtige soziale Umgebung, die alle stimmen müssen, damit die Eltern bereitwillig ihr Kind ausziehen lassen.
Akademisch kenne ich mich nicht sehr aus und zu dem variiert es sehr von College zu College. Es gibt landesweite rankings und man kennt natürlich schon die Schulen, die am besten sind, vom Namen, zum Beispiel Harvard oder Yale.
In den USA wird Sport groß geschrieben, was dann auch die Colleges betrifft. College teams sind sehr bekannt und haben viele Anhänger, zum Beispiel die TN Vols (Volunteers), die zu der UT (University of Tennessee, Knoxville) gehören. Studenten können sportliche Stipendien ergattern, die ihnen die Schulzeit finanziell sehr erleichtern. Diese Schüler werden schon während der Highschoolzeit ausgekundschaftet und Colleges reißen sich förmlich um diese athletisch begabten Jugendliche. Es gibt auch Verbände, wie die Ivy league, die den einzelnen Schulen, die zu ihr gehören, einen gewissen Prestigestatus verleihen. Der ganze Sportgeist gibt den Studenten mehr Teamsinn, denn alle feuern natürlich ihre Kameraden an. Sportevents sind sehr beliebt und ein großer Teil des Soziallebens.
Ein großer Unterschied zu den deutschen Unis ist der Campus an sich. Studenten wohnen auf dem Campus, gleich neben den akademischen Gebäuden. Cafeterien für Mittagessen gibt es auch direkt neben an. Insgesamt kann man sich die Colleges wie eigene kleine Städte vorstellen. Und manche sind auch genau dies; es gibt viele Colleges, die zwei Stunden Fahrtzeit von der nächsten richtigen Stadt entfernt sind und daher auf dem Campus all das, was benötigt wird, vorhanden haben müssen. Zum einen ist die Enge nützlich, da man nicht so lange Wege zu gehen hat und alles schnell erreichbar ist. Andererseits hat man nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten einer Stadt. Man ist auf bestimmte Läden und Lokale beschränkt, was mir eher langweilig erscheint.
Die Zimmer werden von dem College selber verteilt. Vielerorts füllt man einen Fragebogen zu den Schlafgewohnheiten und seinen Hobbys aus und wird dann so gut es geht mit einem Zimmergenossen gepaart. Im ersten Jahr (Freshmen year) lebt man meistens obligatorisch im Freshmen dorm und darf sich dann in seinen restlichen drei Jahren (Upper class men years) sein Wohnhaus aussuchen.
Und das letzte Kriterium ist natürlich der Ruf und die dementsprechende gesellschaftliche Umgebung. Viele Colleges haben einen sozialen Ruf, der ihnen vorraus eilt und wenn man zu einer dieser gehört, wird man natürlich auch sofort in eine Schuböade gesteckt. So gibt es Colleges wie Harvard, die angeblich nur von Strebern besucht werden und wieder andere Colleges sind nur eine Ausrede um von den Eltern weit weg feiern zu können.
Auf den Collegetouren, bei denen oft das selbe in anderen Worten gesagt wird um das College zu bewerben, kann man sich dann auch die Studenten ansehen. Man sieht sie mit ihren Laptops auf der Wiese arbeiten oder eben, wenn es ein nicht so ernstes College ist, mit Bier in der Hand auf den Treppen rumlungern.
Natürlich ist das Collegesuchen eine ernste Sache, doch trotzdem sollte man den Hype nicht verfallen. Denn am Ende sind sich viele Colleges ähnlich und versuchen das beste für ihre Studenten zu erreichen.





22.2.11

Menschlichkeit

"Welcome to America, how long have you been here?" Immer wieder begegnet mir diese freundliche Begrüßung, gemischt mit Interesse an meiner Person, wenn ich neue Leute kennen lerne. Ich erzähle, wann wir kamen, warum wir kamen und wo ich zur Schule gehe. Alle wollen wissen, ob es mir gefällt und schauen mich dabei hoffnungsvoll an. Sie freuen sich, wenn sie erfahren, daß ich Land und Leute mag und sie sagen, daß ich gut Englisch sprechen kann. Viele wünschen sich, eine zweite Sprache sprechen zu können und haben auch mal damit in der Schule angefangen. Und immer wieder treffen wir Leute, die mal in Deutschland und in der Regel in Süddeutschland stationiert gewesen waren oder die deutsche Eltern oder Großeltern haben. Da war der Angestellte bei Lowes, er war uns behilflich bei der Suche nach einer speziellen Schraubverbindung und bot uns an, diese nachzubauen, da sie hier nicht erhältlich ist. Er erzählte uns, daß er zu Hause eine Werkstatt hat, daß sein Vater VW Beetles sammelt und schon 30 Stück davon besitzt. Zunächst habe ich innerlich gelächelt, wieso er für Modellautos eine Werkstatt braucht, aber Modellfans wissen, dass die dazu gehört. Dann aber erzählte er, daß die Autos richtige, fahrbereite Wagen sind, die alle immer gewartet werden von ihm und seinem Vater. Wow!

Bisher waren alle Menschen hier sehr freundlich und hilfsbereit. Die Nachbarn veranstalten Neighborhood Block Parties, alle bringen ein Gericht zum teilen mit und Getränke. Dabei habe ich leckere Gerichte gegessen, die nichts mit Burgern und Pommes zu tun haben. Manche haben Rezepte, die sie verebt bekamen. Rezepte werden gern ausgetauscht und auch ausführlich besprochen. Manchmal wurden uns stolz Bratwürste angeboten, da wir ja dafür bekannt sind, immer Bratwürste zu essen. Leider mag ich diese überhaupt nicht und muß sie auch zu Hause nie essen. Für unser Schulsystem interessieren sich auch viele, hierbei ist besonders verwunderlich, daß die Schüler einen Klassenraum haben und nicht die Lehrer. Immer wieder werden wir gefragt, ob es wirklich stimmt, daß das Studium in Deutschland nichts kostet. Hier im Süden strahlen viele Menschen eine starke Ruhe aus, sie regen sich selten auf und bleiben immer freundlich. Schnell kommt ein Gespräch zustande, wenn man im Geschäft zusammen vor einem Regal steht oder zusammen Billard spielt. Hier wird gern und viel kommuniziert. Man bekommt schnell das Gefühl, dazu zu gehören. Auch bei Reklamationen sind alle sehr freundlich und hilfsbereit, Service wird groß geschrieben und besonders in Restaurants sind die Kellner sehr unglücklich, wenn sie den Eindruck haben, dass das Essen nicht geschmeckt haben könnte.

21.2.11

Heimische Tierwelt und Lebensraumschwund

Wir wohnen in einer Straße mit unbebauten Grundstücken. Kurze Zeit nach unserer Ankunft rückten die Bagger an und fällten auf dem Nachbargrundstück 100 Jahre alte und ältere Bäume. In diesem Waldstück wohnten neben Eichhörnchen, Chipmonks, Schlangen und Waschbären auch viele, teilweise mir unbekannte, Vogelarten. Wir hängten auf unserem Balkon vor dem Esszimmer Futterplätze auf. Zunächst für die Kolibris, die für uns Europäer einen faszinierenden Anblick bieten. Die schillernde Farbenpracht im Sonnenlicht, die Geschwindigkeit und die Flugkünste, die diese kleinen Sauriernachfahren zeigen, lassen mich immer wieder bewundernd staunen. Mit der Zeit kamen immer mehr Kolibris, sie ernähren sich von Nektar, kleinen Insekten und Spinnen. Diese Nahrungsquellen schrumpfen mit jedem Hausbau. Eines Tages konnte ich einen Kampf zwischen mehreren Kolibris beobachten und auch teilweise filmen. Die Gegner stießen sich vom Trinkkelch weg, in dem sie von unten auf den Trinkenden zu rasten und ihn mit ihrem spitzen, langen Schnabel in den Bauch rammten. Dann jagten sie sich gegenseitig und versuchten immer wieder, sich gegenseitig zu hacken. Diese Vögel müssen sich Fett im Oktober anfuttern, um den langen Flug in die Überwinterungsgebiete in Zentralamerika bewältigen zu können. Als die Kolibris und anderen Zugvögel im November das Land verlaßen hatten, suchten die Standvögel verstärkt die Futterplätze auf. Wunderschön leuchtend rot-orange präsentiert der Kardinal sich bis heute auf unserem Geländer, seine Brut ist inzwischen ausgewachsen, wir erwarten die nächste Generation. Prächtig blau leuchtend besucht auch der Blue Jay regelmäßig die Sonnenblumenkerne und inzwischen haben wir auch für die Spechte Futter ausgehängt, das diese gern angenommen haben. Viele andere Vögel gesellen sich regelmäßig zu uns, wenn wir am Esstisch sitzen, z. B. die rosa und die gelb-grünen Finken, der Nuthatch, der unserem Kleiber ähnelt und viele andere. In der letzten Woche haben wir Eastern Bluebirds auf den Wurzeln der gefällten Bäume nach Maden suchen gesehen, diese Spezies ist erst seit 30 Jahren wieder hier heimisch.
Der "Dschungel" um uns herum lichtet sich allmählich, wie wird es in ein paar Jahren aussehen?

17.2.11

Freundlichkeiten

Seit dem ich hier in Amerika bin, hat sich so einiges verändert in meinem Leben. Viele Dinge zum Guten und einige wenige auch zum Schlechten. In dem vergangenem Jahr habe ich eine Veränderung meiner Spache, meiner sozialen Umgebung, meiner persönlichen Einstellung zu vielen Dingen, aber auch Sachen wie zum Beispiel meiner Frisur und meinem Kleidungsstil mitbekommen. Das alles erfolgt nicht nur daraus, dass alles neu und unbekannt ist hier in Amerika, sondern auch dadurch dass die Menschen eine kommplett andere Lebenseinstellung haben. Ich werde von Leuten, die ich noch nie gesehen habe, auf der Straße angesprochen, weil sie meine Hose hübsch finden. Aber die ganze Freundlichkeit hier ist nur gespielt und in Wirklichkeit interressiert sich keiner für dich. Aber alle sind stolz auf was und wer sie sind. Es ist einfach nur eine vollkommen andere Lebensweise. Das ist so ziemlich alles was ich über Freundlichkeiten sagen wollte.